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29.06.2009
Zwei Runden vor Schluss zugeschlagen Foto: Icks Der Lauf zum Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) am Norisring war sicher einer der packendsten, den die Motorsportfans je erlebt haben. Erst zwei Runden vor Schluss zogen die zwei Mercedes-Piloten Jamie Green (Großbritannien) und Bruno Spengler (Kanada) an dem lange führenden Audi-Fahrer Timo Scheider aus Braubach vorbei. Bei Zielankunft konnte Green über die Wiederholung seines Vorjahreserfolges jubeln – und das mit einem „Jahreswagen“ Baujahr 2008 –, Spengler wurde Zweiter vor Scheiders Markenkollegen Mattias Ekström aus Schweden. Pechvogel Scheider blieb nur Platz vier. Damit muss die Audi-Truppe sieben Jahre nach ihrem letzten Sieg am Norisring durch Laurent Aiello (Frankreich) weiter auf einen Erfolg beim „Heimrennen“ warten und konnte das 100-jährige Bestehen nicht mit einem Sieg krönen. Nach dem völlig verregneten Qualifying am Samstag hatte es noch danach ausgesehen, als wären die „dunklen Jahre“ in Nürnberg für die Ingolstädter vorbei. Mit Scheider und Ekström standen gleich zwei Audis in der ersten Startreihe, Mercedes musste sich dahinter anstellen. Auch nach dem Rennstart verteidigten die beiden „Ringe-Fahrer“ wenn auch abwechselnd ihre Führung. Ab Runde fünf lag dann der amtierende DTM-Gewinner Scheider vorn. Aufregend wurde es dann erstmals, als die Piloten ihre ersten Pflicht-Boxenstopps erledigen mussten. Dabei sah es so aus, als hätte Mercedes eine komplett andere Strategie, denn die „Sterne“ blieben länger auf der Strecke. Zu diesem Zeitpunkt achtete eigentlich noch niemand auf den späteren Sieger Jamie Green, der am längsten bis zum Reifenwechsel und Auftanken wartete. Scheider schaffte es, bei der Ausfahrt auf die Strecke nach beiden Stopps vor Spengler zu landen. Ab 13 Runden vor dem Ende lag Scheider dann schwer „unter Beschuss“ von Spengler, der immer wieder insbesondere in der Dutzendteichkehre heftigst attackierte. Aber Scheider machte die Tür immer wieder rechtzeitig zu und konnte seine Führung vorerst behaupten. Als dann auf der Rundenanzeige die Zahl zwei zu lesen war, wurde es auf den Tribünen laut, denn Scheider war offensichtlich einen Moment unachtsam, und genau das nutzten Green, Spengler und Ekström aus, um sich am Führenden vorbeizuschieben. Als die schwarz-weiß-karierte Zielflagge fiel, lautete die Reihenfolge Green, Spengler, Ekström, Scheider. Letztgenanntem wird das Ergebnis sicher wehgetan haben. Die Schmerzen wurden aber sicherlich durch die Tatsache gelindert, dass der DTM-Sieger von 2008 in der Gesamtwertung immer noch vorne liegt, wenn auch nur mit einem Zähler Vorsprung vor Spengler. Aber es gab noch weitere Protagonisten, die im dritten DTM-Lauf der Saison auf sich aufmerksam machten. Einer davon – allerdings als Pechvogel – war Markus Winkelhock. Bereits im Freien Training am Samstagmorgen erwischte ihn ein fliegender Gullydeckel (siehe auch Extrageschichte auf Seite 17) und demolierte sein Auto. Vom letzten Startplatz aus gestartet, kämpfe sich der Audi-Fahrer Platz um Platz nach vorne, um dann bei der Ausfahrt nach seinem Boxenstopp von Mecedes-Mann Maro Engel gestoppt zu werden, dessen C-Klasse mitten in der Ausfahrt den Geist aufgab. Dass Winkelhock am Ende noch auf Platz 13 ins Ziel kam, zeigt, dass der Schwabe sicherlich mit dem Messer zwischen den Zähnen gefahren war. Des Weiteren ist Ralf Schumacher zu erwähnen, der im Qualifikationstraining plötzlich unter den besten vier zu finden war. Aber bei „Schumi II“ wie auch bei Engel haben die Sportkommissare festgestellt, dass beide eine Runde zu viel gefahren waren. Also wurden sie wieder zurückgestuft, Schumacher musste von Platz acht aus ins Rennen gehen. Im ersten Jahr in einer aktuellen C-Klasse unterwegs, setzte er mit Platz sechs ein Ausrufezeichen. Und dann waren da noch die beiden Damen im DTM-Starterfeld. Für Mercedes glänzte die Britin Susie Stoddart mit einem tollen zehnten Rang. Ihre Geschlechtsgenossin und Landsfrau, aber Markenkonkurrentin von Audi, Katherine Legge, fuhr sogar mit 48,620 Sekunden die schnellste Rennrunde in der gestrigen Veranstaltung und hinterließ großes, aber anerkennendes Staunen. Audi-Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich veranlasste das zu der Bemerkung: „Da sieht man, dass wir keine Quotenfrauen beschäftigen, sondern echte Rennfahrerinnen.“ Green war nach seinem zweiten Norisring-Sieg in Folge nur noch happy: „Es ist schön, dass ich es meinen Kritikern zeigen konnte“, meinte der Brite mit Wohnort Leicester mehr als zufrieden und fügte hinzu: „Eigentlich war ich überrascht, dass es für mich so weit nach vorne gegangen ist. Der Timo Scheider hat ziemlich lange die Tür zugehalten.“ Mercedes-Sportchef Norbert Haug verdeutlichte die Superstimmung bei den Stuttgartern nach dem Sieg von Nürnberg: „Das war unser siebter Sieg in Folge am Norisring. Natürlich sind wir happy.“ Und in Richtung Green gab es noch ein richtig dickes Kompliment: „Du bist der Allergrößte.“ Bei Audi-Sportchef Ullrich war die Stimmung trotz des knapp verpassten Sieges alles andere als gedrückt. Auch er sprach von „einem großartigen Rennen, das eine Werbung für die DTM war.“ Der Überholvorgang von Spengler und Green gegenüber Scheider ging ihm aber doch nicht ganz aus dem Sinn. „Das war wohl alles normaler Rennverlauf. Wir werden uns das aber noch einmal genau ansehen. Das klang ein bisschen wie eine Drohung. Übersetzt hieß das wohl: „Beim nächsten Rennen sind aber wir wieder mit einem Sieg dran.“ T. S., Nürnberger Zeitung | ||||||
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